Nachruf Klaus Wintersperger, ORF-Journalist i.R.

Geboren: 19. Juni 1948 in Kirchschlag, Bezirk Zwettl, als 2. Kind von 5 Kindern des Volksschullehrers Norbert Wintersperger und dessen Gattin Sylvia Wintersperger, geborene Dolezal.

Klaus Wintersperger besuchte die Volkschule in Kirchschlag. Da sein Vater eine Stelle als Lehrer in Engabrunn bekam, übersiedelte die Familie nach Engabrunn. So besuchte er auch die Hauptschule in Etsdorf. Danach besuchte Klaus das Gymnasium (Mittelschule) Borg in Krems und war anschließend ein Jahr an der Lehrerbildungsanstalt.

Er spielte bei der Blasmusik in Engabrunn und bekam zudem ein Engagement im Volksopern-Orchester in Wien.

Studium:

Die Musik war seine Leidenschaft, deswegen verwundert es nicht, dass er ab 1965 an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien studierte. Seine Hauptfächer waren Klarinette, Horn und Tontechnik. Da er sehr vielseitig war, begann er auch noch Publizistik zu studieren. Denn seine zweite Leidenschaft kristallisierte sich zu dem Zeitpunkt schon heraus: Der Rundfunk, Medien und Kommunikation. So musikalisch Klaus war, so ausgeprägt kommunikativ war er auch als Persönlichkeit. Vielseitig, interessiert und voller Energie, er wollte immer viele Ideen und Projekte verwirklichen.

Klaus Wintersperger spielte in zahlreichen Engagements als Musiker während seiner Studienzeit. Auch gründete er mit guten Freunden eine eigene Band „The Scallops“, die verschiedene Schallplatten veröffentlichte und durchaus beachtlichen Erfolg hatte. So wurden sie zur besten Beat-Band gewählt. Erinnerungsstücke für die Familie sind heute noch die Plakate und die Schallplatten.

Damals fuhr Klaus oft nur mit einem Moped, das Musikinstrument um den Rücken geschnallt, bei jedem Wetter bis nach Zwettl, um an den Auftritten teilzunehmen. Er spielte Musik aus Leidenschaft und, um sich für seine Studienzeit etwas Geld zu verdienen. Seine Frau kann sich noch heute daran erinnern, dass, wenn er heimfuhr von einem Auftritt, beim Vorbeifahren an ihrem Schlafzimmer im Elternhaus gehupt hat. Sie hat ihn immer gehört, egal zu welcher Zeit. Darin lässt sich auch die tiefe Verbundenheit der beiden ablesen, die in guten wie in schlechten Zeiten bis zum Schluss währte.

Privates: Klaus lernte seine Frau Elfi 1966 kennen. Sie war 15, er war 18 Jahre alt. Sie unternahmen viel gemeinsam, wie eine Reise nach Venedig oder nach Cannes, was im Rahmen von Klaus Tätigkeit beim ORF möglich war, später flogen sie sogar nach Barbados.

In Frankreich und Kroatien waren sie mehrmals auf Urlaub: Herrlich sind die Erinnerungen an das Camping in Wiesen unter Sternen.

1974 heirateten die beiden schließlich am 28. Dezember. Zunächst waren beide beruflich tätig, seine Frau als Angestellte bei der Firma Wittmann, Klaus fand nach dem Bundesheer im Jahr 1975, wo er im Musikorchester war, zum ORF, der für sein weiteres berufliches Wirken prägend war.

Als Mensch mit viel Energie pendelte Klaus zwischen Wien und dem Wohnsitz in Engabrunn. Beide zogen in das von seinen Eltern erbaute Haus und richteten sich nach und nach dort ein. Die familiären Aufgaben teilten sich später noch einmal: Mit der Geburt der Kinder Klaus jun., geboren 1981 und Iris, geboren 1986 wandte sich Elfriede mehr dem Management der Familie zu. Sie kümmerte sich um die Großeltern, die sie später auch pflegte, war mit der Renovierung des gesamten Hauses beschäftigt etc. Klaus war beruflich viel unterwegs und engagiert, was bewirkte, dass die Familie oft wenig Zeit gemeinsam hatte.

Klaus jun,. hat das technische Talent seines Vaters geerbt, das er in seinem Beruf ausüben konnte. Iris, geboren 1986, hat wie ihr Vater das Kommunikationstalent vererbt bekommen und wie er Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert.

Neben seinem musikalischen Talent waren die großen Leidenschaften des Klaus Wintersperger seine Autos, an denen er mit Eifer stundenlang gebastelt und geschraubt hatte und sehr liebevoll gepflegt hat. Sein Lieblingsauto war ein rotes Käfer-Cabrio, das er in den 1970er Jahren kaufte und das bis heute im Originalzustand erhalten ist. Mit diesem unternahm er alleine oder mit der Familie besonders gerne Ausflüge in die Wachau oder auch ins Waldviertel, zu den Erinnerungsplätzen seiner Jugend. Eine Zeit lang fuhr Klaus auch mit Leidenschaft die verschiedensten Motorräder, er war sogar Redakteur einer Motorradzeitschrift. Das Motorradfahren gab er jedoch mit der Geburt seiner Kinder auf.

Sein zweites Hobby war das Schwammerlsuchen: er verbrachte mit Leidenschaft Stunden im Wald, besonders am Manhartsberg, wo er meistens fündig wurde. Die Schwammerlsuche und das Zubereiten und Essen der Pilze war regelmäßiger Bestandteil des gemeinsamen familiären Mittagessens.

Berufliche Stationen:

Ab 1976 war er wesentlich mit Rudi Klausnitzer an der Gestaltung von Sendungen für Ö3 beschäftigt. Seine Stärke war immer die Interviews. Als junger Moderator traf er auf Legenden wie Romy Schneider, Richard Burton und Arnold Schwarzenegger. Er entwickelte diverse Formate mit und moderierte zahlreiche (Musik-)Sendungen und nahm eine Tätigkeit bei Radio Burgenland an. Auch hier war er in unterschiedlichen Funktionen aktiv.

Mit der Geburt seines Sohnes Klaus, wechselte er wieder zurück nach Wien, um die große Entfernung zur Familie etwas kleiner zu halten. Bekannt ist Klaus Wintersperger als „Kinderonkel“ in der populären Sendung „Am Dam Des“, wo er gemeinsam mit Ingrid Riegler einige Auftritte in der Kindersendung hatte. Ende der 80er prägte er wesentlich die Sendung „Wir“ mit, in der es um Lifestyle-Themen in einer großen Bandbreite ging. Klaus Wintersperger war sowohl als Redakteur als auch als Moderator/Journalist für die Sendung unterwegs. Mit den 90er Jahren wechselte er als Sendungsverantwortlicher in das neu entwickelte Format der Talkshow-Sendung „Schiejok täglich“. Sein Repertoire war breit: Aufstellen der Sendungsthemen, Recherche, Organisation der Sendungsaufzeichnung und vieles mehr. Dabei wechselte er jedoch hinter die Kamera, und wandte sich damit mehr den journalistischen Aufgaben zu. Für den Ernstfall konnte er jedoch problemlos den Moderator vertreten und selbst durch die Sendung führen. Mit dem Weiterentwickeln der Talkshow-Formate entwickelte sich auch Klaus Wintersperger innerhalb des ORFs weiter: Mitte/Ende der 90er Jahre wurde er Sendungsverantwortlicher für die Sendung „Vera“. Auch hier war er journalistisch verantwortlich, für die Organisation zuständig und hatte einige Mitarbeiter unter sich. Seine Handschrift war auch in der Sendung „Money Maker“, in einer Lottosendung und vielen anderen Formaten zu erkennen. Zusätzlich war Klaus Wintersperger immer an sinnvollen Projekten interessiert, in die er sein Herzblut steckte.

Bis zu seiner Pensionierung blieb er beim ORF. Da Klaus Wintersperger als Mensch viel Energie besaß, setzte er diese danach in vielen Projekten ein, die er verwirklichte. So war er lange Jahre aktives Mitglied bei den United Nation, bis 2018 sogar deren Vizepräsident. Bei den United Nation war er maßgeblich an der Umstrukturierung der Organisation beteiligt und machte sich immer für die internationale kulturelle Vernetzung stark. Dabei konnte er einige interessante Persönlichkeiten aus Politik und Kultur kennenlernen und mit ihnen tiefe Gespräche führen.

Ende 2018 geschah dann die Zäsur: Zwei plötzlich eintretende Gehirnblutungen führten zu einer massiven Gesundheitsschädigung, weshalb Klaus von nun an nicht mehr der Alte war. Auf Pflege angewiesen und in seiner Stärke, der Kommunikation, eingeschränkt, änderte sich für ihn und für seine Familie das Leben wesentlich. Die schwere Pflegebedürftigkeit erforderte, nach einem langen Spitalaufenthalt, fachliche Pflege. So konnte er für einige Monate eine, für seinen Gesundheitszustand, entsprechende relative Stabilität wieder erreichen. Im Herbst erfolgte jedoch eine weitere massive Verschlechterung, weswegen sich sein Gesundheitszustand nach und nach verschlechterte. Davon erholte er sich nicht mehr und er ging nach geduldig ertragenem Leiden im Kreise der engsten Familie von uns.

Prof. Dr. Johann GÜNTHER

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Professor at:

Jianghan University, Wuhan, China Saint Petersburg State University for Telecommunications, Saint Petersburg, Russia,

Visiting Professor at Danube University Krems, Austria